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DDR-Architektur

 
     
  Die Anfänge der Bautätigkeit in den Jahren 1945-49 in der damaligen Sowjet. Besatzungszone waren durch Enttrümmerung der kriegszerstörten Städte, erste Ingangsetzung infrastruktureller Anlagen, lebenswichtiger Arbeitsstätten, Schulen, Verwaltungs-, Kultur- u. Sozialbauten gekennzeichnet, insbesondere durch die Wiedergewinnung notwendigsten Wohnraumes. Für die Realisierung städtebaul. Maßnahmen fehlten die materiellen u. techn. Voraussetzungen. Erste Wiederaufbaukonzeptionen für Ostberlin, Leipzig, Chemnitz, Plauen, Neubrandenburg u. a. zeigten ein breites Spektrum von Ideen zwischen historisierendem Wiederaufbau u. program-mat. Modernisierung unter starkem Einfluß der Architekturströmungen der 20er u. 30er Jahre, speziell des aufgelockerten Siedlungsbaues. Nach der po-lit. Teilung Deutschlands ab 1949, insbesondere nach dem III. Parteitag der SED 1950 begannen Partei- u. Staatsführung massiv u. dauerhaft in das gesamte Baugeschehen u. seine systemat. Verstaatlichung einzugreifen, bemüht, es funktionell u. ideologisch mit Zeichenfunktionen der geplanten Entwicklung eines Sozialist. Arbeiter- u. Bauernstaates zu versehen. Bewußte polit. Abgrenzung zu Projekten des Faschismus u. modernen Richtungen des International Styles führten in Anlehnung an die Sowjet. Baupraxis u. Stalins These vom Sozialist. Inhalt u. den nationalen Formen ebenfalls zur Berufung auf »nationale Traditionen«. Die 1952-58 im Rahmen des parteipolit. Nationalen Aufbauwerks (NAW) in handwerkl. Bauweisen errichtete Stalinallee galt nach staatsoffizieller Deklaration als »wegweisendes Symbol des Sozialismus« u. fand Nachahmung in vielen »Aufbaustädten«. Rechtsgrundlage für die Bereitstellung von Bauland bildete das »Aufbaugesetz« (6.9.1950), theoret. Grundlage waren die »16 Grundsätze des Städtebaus«. Ein eigentl. Städtebaugesetz gab es nie. Nach der Kritik N. Chrustschows an Stalin ab 1954, ausgelöst durch den Moskauer Allunionskongreß des Bauwesens, erfolgte der kampagnemäßige Übergang zur rigorosen Anwendung industrieller Bauweisen als »Ausdruck der Techn. Revolution im Sozialismus«. Aus diesen u. anhaltenden Ökonom. Zwängen erfolgte nunmehr die Durchsetzung des »Systems der radikalen Standardisierung, Typisierung u. Normung im Bauwesen«. Richtungweisend wurden die Fortführung der Stalinallee in Berlin zwischen Strausberger u. Alexanderplatz sowie der Aufbau der Stadt Hoyerswerda ab 1956/58 unter systemat. Einführung der Großblock- u. Großplattenbauweise. Bis Anfang der 60er Jahre dominierte der Wohnungsbau an Standorten der Industrie des Kohle-, Energie- u. Chemieprogrammes wie z. B. Lübbenau, Vetschau, Schwarze Pumpe, Guben, Schwedt, Leuna. Ein von der Kranbahn diktierter Schematismus aufgelockerter 3- bis 5geschossiger Siedlungsbebauung in Zeilenbauweise prägte flächenweit die Monotonie dieser Bebauungen aus der »Häuserfabrik«, als deren wichtigstes Funktionsgebiet der »Sozialist. Wohnkomplex« angesehen wurde. Anfang der 60er Jahre gestattete die Entwicklung der industriellen Montagebauweisen den Übergang zu geschlosseneren Baustrukturen als neuen qualitativen Schritt, aber noch immer mit wenig genutzten Ansätzen zur Urbanität. Größte baul. Aufgabe ab 1964 waren die Anlage von Halle-Neustadt u. weiterer Großsiedlungen auf bisher uner-schlossenen Gebieten an Stadträndern. Die baul. Vernachlässigung innerstädt. Bereiche führte Mitte der 60er Jahre zu einer Neubesinnung auf die Stadtzentren u. zu Beschlüssen über den weiteren, konzentrierten Aufbau u. die Umgestaltung von 13 Zentrumsbereichen in Großstädten. Die Zentren von Ostberlin, Dresden, Chemnitz, Cottbus, Frankfurt/O., Neubrandenburg, Potsdam, Jena, Suhl, Gera u. Magdeburg erhielten damals durch industriell hergestellte Gesellschafts- u. Wohnbauten ein verändertes Gepräge, das an nicht-verwirklichten Vorstellungen der 50er Jahre von der monumentalen Ausbildung als »Stadtkronen des Sozialismus« orientiert war, das Zentrum als Folgesystem ideologisch wirksamer Straßenzüge u. markanter Plätze sowie als höchste Steigerung polit. emotionaler Raumerlebnisse begriff. Aus den Thesen von Weitläufigkeit, Licht, Luft u. Sonne sowie der generellen Neuordnung der Gesamtstadt leiteten sich Wunschvorstellungen ab, die das Zentrum als Konzentrationspunkt gesellschaftspolit. Lebens u. innerstädt. Plätze als Orte staatsbejahender Feiern u. Demonstrationen sahen. Der größte Teil dieser Bebauungen führte in der Praxis zu maßstabloser Weite u. insularen Ausprägungen. Wichtiges Gestaltungselement des Städtebaues war die Staffelung der Baukörper. Versuche der Funktionsüberlagerung (z.B. Berlin, Bereich Rathausstraße/Liebknechtstraße) scheiterten generell an Ökonom. Möglichkeiten. Seit Anfang der 70er Jahre verlagerten sich die baul. Prioritäten auf die Realisierung des Wohnungsbauprogrammes, mit dem die SED die Wohnungsfrage als soziales Problem bis 1990 mit den Mitteln des extensiven Wohnungsbaues lösen wollte. Beispiele dieser Großwohngebiete für 28 000 bis 100000 Einwohner sind u. a. in Berlin-Marzahn, Berlin-Hellersdorf, Leipzig-Grünau, Fritz-Heckert-Gebiet Chemnitz, Greifswald-Schönwalde, Schwerin-Großer Dreesch, Erfurt-Riethviertel, Magdeburg-Nord, Rostock-Lüttenklein, Halle-Neustadt, Potsdam, Neubrandenburg zu finden. Ab 1980 zeigten sich die aufgestauten, nicht mehr beherrschbaren Defizite bei der Erhaltung u. Pflege denkmalgeschützter Altstadtkerne u. innerstädt. Altwohngebiete. Die Schwerpunkte richteten sich seitdem auf die Probleme der Stadterneuerung bei Forcierung des innerstädt. Bauens unter weitgehendem Einsatz industrieller Bauweisen u. Einbeziehung der variableren, neuentwik-kelten WBS 70. Die Verflechtungen zwischen Stadtumbau und Wohnungsbauprogramm führten zu einer Reihe experimenteller Lösungen u. a. in Ostberlin, Bernau, Greifswald, Rostock, Halle, Altenburg, Gera, Leipzig. Die Widersprüche zwischen Notwendigkeiten, Ansprüchen u. breiteren Möglichkeiten der Verwirklichung waren in den letzten Jahren der Existenz der DDR nicht mehr lösbar.  
 

 

 

 
 
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