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Ingenieurbaukunst

 
     
  die Errichtung techn. Bauwerke u. Anlagen, ihre Planung u. Konstruktion mit einem hohen Maß an Erfindergeist, wissenschaftl. Erkenntnis, Funktionalität, Wirtschaftlichkeit u. Ästhetik. Ansätze bereits in den Sklavereistaaten des Vorderen Orients, z. B. beim Bau großer Städte wie Babylon u. Alexandria, bei der Anlage von Straßen, Brücken, Häfen, Leuchttürmen u. dgl. Höhepunkt auf dem Gebiet raumüberdeckender Baukunst war der Übergang vom Steinbalken zu gewaltigen Gewölbekonstruktionen in der antiken Architektur der röm. Kaiserzeit (1.-4. Jh.), angewendet u. a. beim Pantheon (118-135) u. der Konstantinsbasilika (306-312) in Rom sowie bei der Errichtung komplizierter Brücken u. Wasserleitungen. Bis M. 18. Jh. wurden derartige Aufgaben dem handwerkl. Bereich zugeordnet. Erste techn.-künstler. Aspekte in der italien. Renaissance in phantasievollen techn. Entwurfsideen von Leonardo da Vinci, Francesco di Giorgio Martini u.a. Seit dem frühen 16.Jh. die besondere Gattung der »Architectura milita-ris« durch Kriegstechniker u. Festungsbaumeister. Die eigenständige Definition des Ingenieurbaus, zunächst bezeichnet als »Eisenbau«, seit etwa 1750 im Zusammenhang mit der Abgrenzung gegenüber dem entwerfenden Architekten, ausgelöst durch die Anfänge der industriellen Revolution, in der auch im Bauwesen die Differenzierung planer., konstruktiver, techn., techno-log. u. Ökonom. Prozesse begann. Früheste Ansätze zeigte England, gefolgt von Frankreich u. Deutschland. Bahnbrechend war seit E. 18. Jh. die konstruktive Verwendung von Gußeisen, u. a. bei Brücken, bei mehrgeschossigen Industriegebäuden wie der Flachsspinnerei in Shrewsbury (Ch.Bage, 1796) u. der Baumwollfabrik Salford bei Manchester (J. Watt, M. Boulton, 1801), beim Themsetunnel in London (J. K. Brunei, 1843). Nach M. 19. Jh. neue Möglichkeiten durch Einsatz von Stahl, Beton u. Glas; zum europäischen Symbol der Stahlbauweise wurde der Turm der Pariser Weltausstellung auf dem Marsfeld (A. G. Eiffel, 1889), ebenso pionierhaft die Gebäudekonstruktionen von J. Paxton, T. Garnier u. A. Perret. Nach dem Vorbild der Pariser Ecole politechnique (1794) entstanden im 19. Jh. höhere techn. Lehranstalten, darunter die Bauakademie in Berlin. 1877 Patentierung der Stahlbetonbauweise; seit A. 20. Jh. von der Avantgarde der Ingenieure u. Arch. als wichtige Gestaltungsform, insbesondere für Hochbauten, aufgenommen. Bahnbrechend u. a. F. L. Wright, L. H. Sullivan, W. Kreis, H. Poel-zig, M. Taut, L. Mies van der Rohe, P. L. Nervi, A. Gaudi, F. Candela. Spezielle Technologien führten z. B. zu Konstruktionsverfahren für Stahlrippenkuppeln, Stahlbetonschalen, Raumgitternetze, Seilnetz- u. Zeltkonstruktionen, Schalen- u. Gleitbauweisen.  
 

 

 

 
 
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